08.03.2026 / Wenn Sie heute zur Wahlurne gehen, entscheiden Sie nicht nur über Parteiprogramme, sondern vor allem über Personen. In Baden-Württemberg ist das Rennen um die Macht in diesem Jahr so persönlich wie selten zuvor. Wer sind die Menschen, die in die Villa Reitzenstein wollen oder um ihr politisches Überleben kämpfen? Ein Blick auf das Spitzenpersonal.
Die Favoriten: Generationenduell an der Spitze
Da ist zum einen Manuel Hagel von der CDU. Mit gerade einmal 37 Jahren will der Ehinger der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte des Landes werden. Hagel ist das, was man einen „modernen Konservativen“ nennt: gläubiger Katholik, Jäger, dreifacher Vater und ehemaliger Banker. Er hat es geschafft, die einst zerstrittene Südwest-Union zu einen, und positioniert sich heute als Stimme der „Fleißigen“ – Heimatliebe inklusive.
Ihm gegenüber steht das bekannteste Gesicht dieser Wahl: Cem Özdemir von den Grünen. Der „anatolische Schwabe“ aus Bad Urach ist ein politisches Schwergewicht, war Bundesminister und Parteichef. Mit 60 Jahren wagt der gelernte Erzieher nun den Schritt zurück in die Landespolitik. Als pragmatischer „Realo“ scheut er auch den Konflikt mit der eigenen Basis nicht, etwa bei der Migrationspolitik. Privat gab es im Wahlkampf bereits ein Happy End: Özdemir hat kürzlich seine Partnerin, die Juristin Flavia Zaka, geheiratet.
Die Herausforderer: Strategen und Hoffnungsträger
Für die AfD tritt Markus Frohnmaier an. Der 34-Jährige hat eine bewegte Biografie: In Rumänien geboren und von einem schwäbischen Ehepaar adoptiert, stieg er bis in den engsten Zirkel um Alice Weidel auf. Während er früher für scharfe Töne bekannt war, gibt er sich im Wahlkampf betont moderat. Kurios: Frohnmaier will nur nach Stuttgart wechseln, wenn er Ministerpräsident wird – was mangels Koalitionspartnern als ausgeschlossen gilt. Ansonsten bleibt er lieber in Berlin.
Andreas Stoch will die SPD nach zehn Jahren Opposition endlich wieder in die Regierungsverantwortung führen. Der 56-jährige Rechtsanwalt aus Heidenheim war bereits Kultusminister und setzt auf seine Erfahrung, um bei einer möglichen Koalitionsbildung das Zünglein an der Waage zu sein.
Alles oder Nichts: Kampf um den Einzug
Zittern heißt es dagegen für Hans-Ulrich Rülke von der FDP. Er selbst nennt dies die „Mutter aller Wahlen“. Der wortgewaltige ehemalige Lehrer kämpft gegen die Fünf-Prozent-Hürde. Für den 64-Jährigen ist es die letzte Chance auf ein Ministeramt; scheitert die FDP, endet wohl auch seine lange Karriere im Landtag.
Ganz neu auf der großen Bühne ist hingegen Kim Sophie Bohnen. Die 26-jährige Bankkauffrau führt Die Linke an. Ihr politischer Antrieb? Ein Erlebnis am Bankschalter, als eine Rentnerin ihren Einkauf nicht mehr bezahlen konnte. Sie hofft, das Thema bezahlbares Wohnen erstmals für ihre Partei in den Landtag zu tragen.
