05.01.2026 / Ein historischer Moment im Stuttgarter Landtag: Nach fast einem halben Jahrhundert im Parlament hat sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit seiner letzten Rede von der politischen Bühne verabschiedet. Seit 1980 prägte der heute 77-Jährige die Geschicke Baden-Württembergs – erst als Oppositioneller, seit 2011 als Regierungschef. Zur Landtagswahl am 8. März tritt er nicht mehr an.
Unter stehenden Ovationen aus dem gesamten Haus blickte Kretschmann sichtlich bewegt zurück. Er nannte es ein großes Privileg, das Land so lange mitgestalten zu dürfen, und bezeichnete den Landtag als das „Herz und Nervenzentrum unserer Demokratie“.
Doch Kretschmann nutzte seinen Abschied auch für eine eindringliche Mahnung. Die Bedeutung des Parlaments sei nicht selbstverständlich, sondern werde durch den Einfluss der EU und die Konstruktion des Bundesrates immer wieder beschnitten. Er forderte die Abgeordneten auf, den Landtag als zentralen Ort des öffentlichen Diskurses zu verteidigen – mit zivilisiertem Streit auf der Grundlage von Fakten.
An die Bürgerinnen und Bürger richtete er den Appell: „Nehmen Sie dieses Parlament wichtig! Was hier debattiert wird, präge unser aller Leben weit stärker, als viele denken.“ Mit diesem Plädoyer für die Demokratie endete eine der längsten politischen Karrieren in der Geschichte des Südwestens. (Bild: Bernd Weißbrod/dpa)
