Kommentar zum Aus von „Immer wieder sonntags“

von Radio BW Programmchef Marc Fischer

21.03.2026 / Die Landschaft der öffentlich-rechtlichen Medien ist ein dunkler Sumpf: Nix ist fix. Gerade noch vertraut man dem sicher geglaubten Stand, schon geht man im nächsten Moment sang- und klanglos unter. Der Sumpf ist erbarmungslos. Er nährt sich von Wasserständen, präsentiert als nackte Zahlen in der Einnahmen- und Ausgabenrechnung der einzelnen Sender.

Die Bilanz ist simpel: Wer nicht liefert, fliegt. Wer liefert, aber zu teuer ist, fliegt ebenfalls. Wer günstig liefert, aber nicht mehr ins Konzept passt – richtig, der fliegt auch. Der Geschäftsführer eines großen Nachrichtensenders sagte mir bereits vor vielen Jahren im Vertrauen: „Bei uns ist das ein hire and fire.“

Unverständnis und Tränen

Das nächste Opfer dieses eiskalten Prinzips steht seit gestern fest: Das Format „Immer wieder sonntags“. Aus. In diesem Jahr geht die finale Staffel an den Start. Eine erfolgreiche Sendung mit Familiengefühl, generationenübergreifend und mit einer ausgewogenen Portion Entertainment, über die man spricht. Musik und Künstler abseits der üblichen Gästelisten, greifbar nah und präsentiert von jemandem, der uns in der Vergangenheit öfters zeigte, dass auch diejenigen vor der Kamera einfach nur Menschen mit Fehlern sind. – Was will man mehr? Die Antwort ist einfach: Geld.

Empörung, Enttäuschung und Unverständnis über die „gemeinsame Entscheidung“ von SWR und ARD sind gewaltig. Bei vielen flossen sogar Tränen – und wir sprechen dabei nicht ausschließlich von denjenigen der Generation Ü50. 

Marktwert der Öffentlich-Rechtlichen sinkt

Die beiden Sender tragen mit ihrem Entschluss nicht einfach nur ein Format zu Grabe – sie verlieren einmal mehr an Zustimmung und Vertrauen. Mit Folgen, die sich aktuell für sie nur erahnen lassen. Doch ob dieses feine Gespür vorhanden ist, bleibt zu bezweifeln.

Nein, das Ziel der Verantwortlichen ist – entgegen aller Beteuerung – keineswegs, Neues zu schaffen. Die Öffentlich-Rechtlichen setzen ihre Produktionen immer stärker auf Sparflamme. Natürlich: Gut gemachtes Unterhaltungsprogramm kostet – Zeit und Geld. Doch wer einen selbstgenähten, fetten Sack an Beschäftigten mit üppigen Gehältern und ebensolchen Ruhestandszahlungen zu schultern hat, wer zu Pressekonferenzen gleich mehrfach Personal entsendet, der überlegt zweimal, ob er überhaupt noch investiert oder fortan Ramschware im Stil von Talkrunden und Spielfilmen verkauft – vor allem, wenn der Kunde trotzdem zahlen muss.

Der Marktwert der zur ARD zusammengeschlossenen Sender sinkt zusehends. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung „contra IWS“ eine logische Konsequenz, der selbst geschaffenen Misswirtschaft als „last exit“ entgegenzuwirken. Dass dabei der Zuschauer aus der ersten Reihe auf die Stehplätze der hinteren Ränge verwiesen wird – für die Macher ist das geschenkt.

Das Publikum zählt nicht. Das zeigt sich auch und gerade am gewählten Zeitpunkt der Bekanntgabe für das Aus von „Immer wieder sonntags“: Man wartet nicht erst das Ende der Staffel ab – man schlägt noch vor Beginn zu. Getreu dem Motto: „Nach mir die Sintflut“.

Vergessen wir nicht: „Immer wieder sonntags“ ist erst der Anfang. Der Sumpf ist gewaltig.

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